Bei einer Transaktion kommen in der Regel mehrere Due-Diligence-Arten gleichzeitig zum Einsatz: Financial, Tax, Legal, Commercial und Technical Due Diligence sind die gängigsten Prüfbereiche. Welche davon im Einzelfall relevant sind, hängt von der Transaktionsstruktur, der Branche und dem Risikoprofil des Zielunternehmens ab. Die folgenden Abschnitte erläutern, was jede Prüfungsart abdeckt und wann sie besonders ins Gewicht fällt.

Welche Due-Diligence-Arten sind bei einer Transaktion üblich?

Bei einem Unternehmenskauf oder einer Beteiligung werden üblicherweise fünf Kernbereiche der Due Diligence durchgeführt: Financial Due Diligence, Tax Due Diligence, Legal Due Diligence, Commercial Due Diligence und Technical Due Diligence. Ergänzend kommen je nach Transaktion Environmental, HR oder IT Due Diligence hinzu. Ziel ist es, ein vollständiges Bild des Zielunternehmens zu gewinnen, bevor verbindliche Entscheidungen getroffen werden.

Die Prüfbereiche sind nicht isoliert zu betrachten. Ein steuerliches Risiko kann zugleich eine rechtliche Haftungsfrage aufwerfen; ein operatives Problem in der technischen Infrastruktur beeinflusst die finanzielle Bewertung. Deshalb arbeiten erfahrene Berater die einzelnen Stränge eng verzahnt ab, statt sie sequenziell abzuarbeiten.

Für Käufer und Verkäufer gilt gleichermaßen: Eine strukturierte Due Diligence schützt vor Überraschungen nach dem Signing und bildet die sachliche Grundlage für Kaufpreisverhandlungen, Garantiekataloge und Freistellungsklauseln im Kaufvertrag. Wer diesen Schritt zu knapp bemisst, trägt das Risiko später allein.

Was prüft die Financial Due Diligence genau?

Die Financial Due Diligence analysiert die wirtschaftliche Substanz eines Unternehmens: Ertragskraft, Cashflow, Vermögensstruktur und die Qualität der historischen Finanzdaten. Sie beantwortet die zentrale Frage, ob die im Kaufpreis eingepreisten Erwartungen durch die tatsächlichen Zahlen gedeckt sind. Ergebnis ist in der Regel ein bereinigtes EBITDA, das als Grundlage für die Unternehmensbewertung dient.

Historische Ertragskraft und Normalisierung

Ein wesentlicher Schritt ist die Bereinigung der Vergangenheitszahlen um Einmaleffekte, außerordentliche Erträge oder nicht betriebsnotwendige Aufwendungen. Erst das normalisierte Ergebnis zeigt, welche Ertragskraft das Unternehmen unter gewöhnlichen Bedingungen erzielt. Dieser Wert fließt direkt in die Unternehmensbewertung nach IDW S 1 oder in vergleichbare Bewertungsverfahren ein.

Working Capital und Cashflow-Qualität

Neben der Ertragsseite untersucht die Financial Due Diligence das Working Capital: Forderungslaufzeiten, Lagerbestände und Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten. Auffälligkeiten hier können auf strukturelle Liquiditätsprobleme hinweisen, die in einer reinen Bilanzbetrachtung nicht sichtbar werden. Gleichzeitig prüfen Analysten die Qualität des Cashflows, also ob Einzahlungen tatsächlich nachhaltig sind oder auf Sondereffekten beruhen.

Wann ist eine Tax Due Diligence besonders wichtig?

Eine Tax Due Diligence ist immer dann besonders relevant, wenn steuerliche Risiken den Kaufpreis oder die Transaktionsstruktur wesentlich beeinflussen können. Das gilt insbesondere bei Share Deals, bei denen der Käufer in die steuerliche Historie des Unternehmens eintritt, sowie bei grenzüberschreitenden Transaktionen mit komplexen Verrechnungspreisthemen oder bei Unternehmen mit offenen Betriebsprüfungszeiträumen.

Im Rahmen der steuerlichen Prüfung werden unter anderem folgende Punkte untersucht:

  • Offene oder drohende Steuerverbindlichkeiten aus vergangenen Perioden
  • Nutzbarkeit von Verlustvorträgen nach einem Anteilserwerb
  • Verrechnungspreisdokumentation bei verbundenen Unternehmen
  • Umsatzsteuerliche Risiken, insbesondere bei internationalen Sachverhalten
  • Strukturelle Optimierungspotenziale für die Transaktion selbst

Gerade beim Share Deal übernimmt der Käufer sämtliche steuerlichen Altlasten des Zielunternehmens. Eine lückenhafte Tax Due Diligence kann dazu führen, dass nach dem Closing Steuernachforderungen entstehen, die im Kaufpreis nicht abgebildet waren. Freistellungsklauseln im Kaufvertrag können das Risiko begrenzen, ersetzen aber keine sorgfältige Vorabprüfung.

Was deckt die Legal Due Diligence ab?

Die Legal Due Diligence prüft alle wesentlichen rechtlichen Verhältnisse des Zielunternehmens: Gesellschaftsstruktur, Vertragsverhältnisse, laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten, gewerbliche Schutzrechte sowie arbeitsrechtliche Verpflichtungen. Sie schafft die Grundlage dafür, dass Garantien und Freistellungen im Kaufvertrag sachgerecht formuliert werden können.

Typische Prüfungsbereiche der Legal Due Diligence umfassen:

  • Gesellschaftsrechtliche Struktur und Anteilseignerverhältnisse
  • Wesentliche Kunden- und Lieferantenverträge, insbesondere Change-of-Control-Klauseln
  • Miet- und Nutzungsverträge für Betriebsstätten
  • Laufende Gerichts- und Schiedsverfahren
  • Marken, Patente und sonstige Schutzrechte
  • Compliance-Strukturen und regulatorische Anforderungen

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Change-of-Control-Klauseln in Verträgen mit Kunden oder Kreditgebern. Wird ein Anteilsübergang nicht rechtzeitig kommuniziert oder bedarf er einer Zustimmung, kann das die Transaktion gefährden oder zumindest verzögern. Die rechtliche Prüfung identifiziert solche Stolpersteine frühzeitig.

Wie unterscheiden sich Commercial und Technical Due Diligence?

Die Commercial Due Diligence bewertet die Marktposition, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsperspektiven eines Unternehmens aus einer außenwirtschaftlichen Perspektive. Die Technical Due Diligence hingegen richtet den Blick nach innen und prüft Anlagen, Produktionsprozesse, IT-Systeme und technologische Infrastruktur. Beide Prüfungsstränge ergänzen die Financial Due Diligence um eine operative Dimension.

Commercial Due Diligence: Markt und Wettbewerb

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die prognostizierten Umsätze und Margen realistisch sind. Dazu analysieren Berater Marktgröße und Wachstumsraten, die Wettbewerbsintensität, die Kundenbasis und deren Konzentration sowie die strategische Differenzierung des Zielunternehmens. Erkenntnisse aus der Commercial Due Diligence fließen direkt in die Bewertungsannahmen ein und können eine Fairness Opinion stützen oder infrage stellen.

Technical Due Diligence: Substanz und Investitionsbedarf

Die Technical Due Diligence bewertet den Zustand von Maschinen, Gebäuden, IT-Infrastruktur und Produktionsprozessen. Sie identifiziert Investitionsrückstau, der nach dem Closing anfallen wird, und prüft, ob die technische Basis die geplante Wachstumsstrategie trägt. Gerade bei produzierenden Unternehmen oder solchen mit komplexer IT-Landschaft ist dieser Prüfbereich kaufpreisrelevant.

Welche Due-Diligence-Art sollte bei welcher Transaktion priorisiert werden?

Die Priorisierung der Due-Diligence-Bereiche hängt von Transaktionstyp, Branche und Risikoprofil ab. Es gibt keine universelle Rangfolge, aber klare Muster: Bei einem Share Deal stehen Financial und Tax Due Diligence an erster Stelle, da der Käufer vollständig in die historischen Risiken eintritt. Bei einem Asset Deal verschiebt sich der Schwerpunkt stärker auf die Legal und Technical Due Diligence.

Folgende Faustregeln haben sich in der Praxis bewährt:

  • Technologieunternehmen: Technical und Commercial Due Diligence besonders gewichten, da immaterielle Werte und Marktposition den Unternehmenswert maßgeblich bestimmen
  • Produktionsunternehmen: Technical Due Diligence priorisieren, um Investitionsrückstau und Umweltrisiken zu erfassen
  • Dienstleistungsunternehmen: HR Due Diligence ergänzen, da Schlüsselpersonen oft der wesentliche Wertträger sind
  • Grenzüberschreitende Transaktionen: Tax Due Diligence ausweiten, um internationale Strukturen und Verrechnungspreisrisiken vollständig zu erfassen
  • Unternehmen mit Nachhaltigkeitsberichtspflicht: ESG-Aspekte zunehmend in die Commercial und Legal Due Diligence integrieren, da die CSRD-Berichtspflicht Compliance-Risiken begründet

Grundsätzlich gilt: Eine zu enge Prüfung spart kurzfristig Zeit, schafft aber langfristig Haftungsrisiken. Wer den Prüfumfang an der Transaktion ausrichtet und die einzelnen Bereiche interdisziplinär abstimmt, trifft fundiertere Entscheidungen und verhandelt auf einer verlässlichen Datenbasis. Frühzeitiges Handeln schafft Planungssicherheit.

Wie AHW Gruppe Transaktionen durch strukturierte Due Diligence begleitet

AHW unterstützt Unternehmen und Unternehmerfamilien bei der Vorbereitung und Durchführung von Transaktionsprüfungen, bei denen steuerliche, rechtliche und wirtschaftsprüferische Fragen eng zusammenspielen. Die interdisziplinäre Aufstellung der Gruppe ermöglicht kurze Abstimmungswege zwischen den Fachbereichen, was gerade in zeitkritischen Transaktionsprozessen entscheidend ist.

Das Leistungsangebot im Transaktionskontext umfasst unter anderem:

  • Financial Due Diligence mit Normalisierung der Ertragskraft und Bewertung der Cashflow-Qualität
  • Tax Due Diligence mit Analyse steuerlicher Risiken und Strukturierungsoptionen
  • Begleitung bei der Unternehmensbewertung, einschließlich Fairness Opinions
  • Koordination der rechtlichen Prüfung in enger Abstimmung mit den steuerlichen Befunden
  • Unterstützung bei der Kaufpreisverhandlung auf Basis der Due-Diligence-Ergebnisse

Wer eine Transaktion plant oder sich als Zielunternehmen auf eine Vendor Due Diligence vorbereiten möchte, findet bei AHW einen Ansprechpartner, der alle relevanten Beratungsleistungen aus einer Hand koordiniert. Gemeinsam lassen sich die nächsten Schritte strukturiert gestalten.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche, rechtliche oder wirtschaftsprüferische Beratung im Einzelfall.

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