Angesichts aktueller geopolitischer Krisen und wirtschaftlicher Unsicherheiten stellt sich häufig die Frage, ob Nachhaltigkeit weiterhin eine zentrale Rolle in wirtschaftlichen Entscheidungen spielt. Entwicklungen im Finanzsektor zeigen jedoch, dass Klimarisiken zunehmend ein fester Bestandteil der Kreditwürdigkeitsprüfung von Banken werden.
Ein aktueller Bericht in der FAZ unterstreicht diese Entwicklung: Neben klassischen finanziellen Kennzahlen berücksichtigen Kreditinstitute immer stärker auch klimabezogene Risiken bei Finanzierungsentscheidungen.
Politische Rahmenbedingungen der Transformation
Die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Finanzwelt ist eng mit internationalen und europäischen politischen Initiativen verbunden.
Eine wichtige Grundlage bildet die Klimakonvention der Vereinten Nationen (Agenda 2030), ein völkerrechtlicher Vertrag, der im Dezember 2015 von 195 Staaten unterzeichnet wurde. Zu den zentralen Zielen gehören:
-
die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit
-
die Förderung der Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels
-
die stärkere Ausrichtung globaler Finanzströme an Klimazielen
Auch auf europäischer Ebene wurden umfassende Maßnahmen angestoßen. Mit dem European Green Deal, der im Dezember 2019 vorgestellt wurde, verfolgt die Europäische Union unter anderem folgende Ziele:
-
Klimaneutralität der EU bis zum Jahr 2050
-
Abkopplung des Wirtschaftswachstums von der Ressourcennutzung
-
Schutz und Verbesserung des Naturkapitals
-
Förderung nachhaltiger Unternehmensführung
-
Sicherstellung einheitlicher Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU
Frühzeitige Diskussion über Nachhaltigkeit und Finanzierung
Die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten für Finanzierungsentscheidungen wurde bereits vor rund 18 Monaten im Rahmen einer Fachveranstaltung bei AHW gemeinsam mit Vertretern der Kölner Sparkasse diskutiert. Im Mittelpunkt standen damals die möglichen Auswirkungen regulatorischer Entwicklungen auf Kreditvergabe und Finanzierungskonditionen.
Die aktuellen Entwicklungen im Finanzsektor zeigen, dass viele der damals diskutierten Themen inzwischen konkrete praktische Relevanz gewonnen haben.
Klimarisiken als neuer Bewertungsfaktor
In der öffentlichen Diskussion standen lange Zeit vor allem sogenannte transitorische Risiken im Vordergrund. Dazu zählen beispielsweise Kostensteigerungen durch CO₂-Bepreisung, regulatorische Anforderungen oder neue gesetzliche Vorgaben.
Zunehmend rücken jedoch auch physische Klimarisiken in den Fokus der Kreditprüfung. Dazu gehören unter anderem:
-
Hochwasser- oder Überschwemmungsrisiken
-
zunehmende Hitzeperioden
-
Sturmschäden oder andere Extremwetterereignisse
Solche Faktoren können insbesondere bei langfristigen Finanzierungen an Bedeutung gewinnen und werden von Banken zunehmend systematisch analysiert.
Bedeutung für Unternehmensberichterstattung
Mit der Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) steigen zudem die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen deutlich.
Unternehmen müssen künftig umfassender darlegen, welche klimabezogenen Risiken ihre Geschäftstätigkeit beeinflussen können. Diese Informationen gewinnen auch für Finanzierungsentscheidungen an Bedeutung.
Eine transparente und konsistente Darstellung von Nachhaltigkeitsrisiken kann daher zunehmend Einfluss auf die Bewertung von Unternehmen sowie auf Finanzierungskonditionen haben.
Fazit
Die aktuellen Entwicklungen zeigen deutlich, dass Nachhaltigkeitsaspekte und Klimarisiken zunehmend zu einem relevanten Faktor in der Unternehmensfinanzierung werden.
Für Unternehmen empfiehlt es sich daher, klimabezogene Risiken frühzeitig zu analysieren, geeignete Datenstrukturen aufzubauen und diese Aspekte in die strategische Planung sowie in die Unternehmensberichterstattung zu integrieren.




